Autonomie von Teams

In dem vorhergehenden Artikel habe ich geschrieben, dass ein Gleichgewicht von Autonomie und Alignment bei agilen Teams wichtig ist, damit man für eine Firma zu einem globalen Optimum kommt.

In diesem Beitrag geht es darum, wie wir bei meinem Arbeitgeber CoreMedia die Autonomie von Teams ermöglichen. Die Punkte sind nicht vollständig und sollen nur als Ideengeber dienen.

Warum Autonomie?

Autonomie von Teams ist essentieller Bestandteil von agilem Vorgehen. Dies ist übrigens auch wichtig für die Motivation von Wissensarbeitern (siehe https://www.scrumalliance.org/community/articles/2014/february/autonomy ), zu denen auch Softwareentwickler gehören.

Wichtiger noch ist, dass autonome Teams gerade wegen ihrer Unabhängigkeit schneller auf Veränderungen reagieren können. Auch werden Wartezeiten bei der Entwicklung von Produkten reduziert. Beides kann ein entscheidender Vorteil gegenüber der Konkurrenz sein.

Die Autonomie der Teams spiegelt sich bei CoreMedia in verschiedenen Dingen wider (der Schwerpunkt der Beschreibung liegt auf den Entwicklungsteams, ähnliche Prozesse gibt es auch bei anderen Teams):

Scrum und Kanban

Unsere Teams arbeiten nach Scrum, Kanban oder einer Kombination von beiden. Diese Vorgehensmodelle erfordern und fördern Autonomie in Form von Selbstorganisation. Teams sollen möglichst cross-funktional aufgestellt sein und möglichst viele Entscheidungen selbstständig treffen können. Insbesondere “Wie” etwas gebaut wird liegt im Entscheidungsbereich eines Teams.

Selbstorganisation

Viele Dinge wie zum Beispiel Sprintlängen, Gestaltung und Vorgehen beim Task-Board, allgemeine Prozesse und Meetingstrukturen werden von jedem Team individuell festgelegt. Auch Urlaube werden bei den meisten Teams nicht wirklich vom Vorgesetzten genehmigt, sondern ein Teammitglied, dass Urlaub machen möchte, schickt zunächst eine Mail mit dem Urlaubswunsch an sein Team. Wenn es hier keine Einwände gibt, wird die Verwaltung – wiederum durch das Teammitglied selbst – über den geplanten Urlaub informiert. Damit ist der Prozess abgeschlossen.

Cross-funktionale und Feature-Teams

Die Entwicklungsteams haben prinzipiell erstmal keine exklusive  Verantwortung für einzelne (technische) Komponenten des Produktes. Diese ergeben sich eher aus dem Wissen der Teammitglieder. Damit kann ein Team auch prinzipiell an vielen Bereichen des Produktes arbeiten und einzelne Features unabhängig von anderen Entwicklerteams quer durch viele unterschiedliche Komponenten implementieren. Dieses Vorgehen hat sich weitestgehend etabliert (außer für sehr komplexe Spezialthemen).
Aufgrund der Wissensverteilung und vorhandenen Kompetenzen für die Aufgaben ist es den Teams überhaupt erst möglich, autonom zu agieren.

Team-Infrastruktur für Continuous Integration

Die Entwicklerteams haben eigene Infrastruktur für Continuous Integration in Form von eigenen Jenkins-Servern und -Slaves. Die Konfiguration der Systeme und die Tests, die auf diesen sog. Pipelines ausgeführt werden, werden allerdings wieder global für alle verwaltet, um gemeinsame Qualitätsstandards sicherzustellen. Teams können davon zeitweilig abweichen, etwa um neue Technologien einzuführen. Änderungen fließen dann anschließend in die globale Konfiguration zurück. Dadurch können Teams an Infrastrukturthemen arbeiten, ohne dass dadurch gleich andere Teams betroffen sind.

Eigenständige Weiterbildung

Die Weiterbildung der einzelnen Teammitglieder wird eigenständig organisiert. Dies kann ganz verschiedene Ausprägungen haben. Ein Entwickler kann sich Slack-Time nehmen (siehe dazu etwa https://www.impulse.de/management/unternehmensfuehrung/slacktime/2178126.html oder https://www.scrum.de/portfolio-posts/slack-time-was-ist-das/ ), um sich selbstständig in ein Thema einzuarbeiten. Dazu kann sich jeder auch Bücher bestellen. Oder jemand darf – unter gewissen Rahmenbedingungen – eine Konferenz besuchen, die er oder sie interessant findet. Klassische (und zentral organisierte) Schulungen sind bei uns eher die Ausnahme. So entsteht Autonomie auf der Ebene der einzelnen Mitarbeiter.

Zeiterfassung/-abrechnung

In jedem Team gibt es eine vom Team beschlossene Art der Zeiterfassung. Zentrale Vorgabe ist nur, dass für bestimmte Themen die Aufwände erfasst werden, die in dem Team zu einem bestimmten Thema entstehen. Alle unserer Entwickler-Teams haben sich mittlerweile dazu entschieden, ihre Aufwände mit Hilfe von Lego-Steinen zu erfassen. Mehr dazu findet sich in einen früheren Blog-Post von mir: https://scrumburg.wordpress.com/2013/04/05/stein-fur-stein-zur-besseren-zeiterfassung/

Release Trains

Bei CoreMedia verwenden wir eine Art von  Release Trains (https://en.wikipedia.org/wiki/Software_release_train) für verschiedene Versionen unseres Produkts. Der Zeitplan dieser ist unabhängig von den Sprintlängen/-enden der Teams. Damit released ein Team am Ende eines Sprints die Software nicht unbedingt. Wichtig ist nur, dass am Ende eines Sprints Dinge fertig werden und prinzipiell einsetzbar/releasebar sind. Dasselbe gilt für Teams, die eher nach Kanban arbeiten.
Release Trains fördern einerseits die Autonomie von Teams, die dadurch selbständig entscheiden können, mit welchem Release-Train sie ihr Feature veröffentlichen wollen. Es entsteht weitere Entkopplung, da sich Teams mit dem Releasen von Stories und anderen Dingen nicht unbedingt mit anderen Teams abstimmen müssen. Weitere Autonomie würde durch die Fähigkeit, selbst Software in Produktionsumgebungen zu releasen, entstehen. Dies ist bei SaaS-Firmen durchaus üblich, im Umfeld von On-Premise-Produkten eher schwierig umzusetzen.

Andererseits sind Release-Trains aber auch ein Mittel, mit dem man die Arbeit von Teams wieder zusammenbringen, bzw. alignen kann.

Wie bereits im vorhergehenden Beitrag beschrieben, reichen autonome Team alleine nicht aus, sondern es muss ein Gleichgewicht zwischen Autonomie und Alignment geschaffen werden. In dem nächsten Blog-Beitrag geht es dann abschließend darum, wie wir bei CoreMedia das Alignment sicherstellen.

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3 Antworten zu “Autonomie von Teams

  1. Toller Artikel. Ich finde hier vieles wieder, was bei uns auch im Einsatz ist. Auf jeden Fall eine inspirierende Auflistung diverser wichtiger Punkte für die agile Entwicklung!

  2. Pingback: Alignment von agilen Teams | Scrum in der Produktentwicklung

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